TRIATHLON

Sprintdistanz Wochenende – doppelt hält besser!

Sitze gerade im „Homeoffice“ und schiele rechts über die Holzplatte des Schreibtisches: da steht sie, die schwarze Rakete! Mein Triathlon Bike! Vergangenes Wochenende folgten nach dem ersten Coup beim Heimattriathlon in Spremberg, Einsatz zwei und drei. Wobei letzteres geplant und doch irgendwie ungeplant war. Das war passiert…

#inwettkampflaune“, titelte ich in einer meiner letzten Instagram Storys. Die Triathlon Saison läuft! Und ich will mitmischen! Will auch ballern! Mich für das harte Training belohnen! Auch wenn man es im Wettkampf selbst meist nie zu greifen bekommt, weil der Schmerz einfach zu stark an den Gedanken zerrt. So geschehen letzten Samstag beim Spreewald Triathlon. Ich war für die Sprintdistanz gemeldet. 500m Schwimmen. 20km Rad. 5km Laufen. Ursprünglich hatte ich mir für den 3. Cottbuser Ostsee Triathlon angemeldet. Nur wusste ich noch vom letzten Jahr, dass dort kaum Schatten ist. Und da für das letzte Wochenende heftige Hitzewellen angekündigt wurden, entschied ich mich dafür, mir doch noch einen Startplatz für die Alternative im Spreewald zu organisieren. Wie immer kurz vor einem Wettkampf, wollten ein paar ihre Startplätze loswerden. Glück für mich!

 

Tatort 1: Die unerwartete Hitzeschlacht beim Spreewald Triathlon

Ich guck Samstagfrüh auf das Thermometer. Zeigt es mir doch glatt 28 Grad an. 8 Uhr morgens! Spätestens da war mir klar, dass das heute bei diesem intensiven Sprintformat und in der Mittagshitze übel wird. Zeitsprung. Eine Stunde vor dem Start. Die Frage, ob Neos erlaubt sind? Geschenkt! Der Sprecher witzelt, dass es gleich in die 25 Grad warme, undurchsichtige Plörre gehen würde.

11 Uhr Startschuss. Mein Schwimmpart ist solide, aber nicht geil. Irgendwie verhake ich mich die ersten hundert Meter zu oft mit anderen. Finde keinen richtigen Rhythmus. Verbrauche durch die „Befreiungsaktionen“ zu viel Sauerstoff. Nach wenigen Minuten ist‘s aber auch schon geschafft. Komme als 5. mit ca. 35 Sekunden Rückstand auf den ersten aus dem Wasser. Hatte ich mit mehr gerechnet. Gut. Bis zur Wechselzone sind es jetzt ein ganz paar Meter. Nach dem Wasser geht es erstmal einen Sandstrand hoch, danach 200m (oder so) über einen ausgerollten Teppich durch den Wald. Heißt: Die Pumpe geht ordentlich…

Wenige Sekunden später springe ich aufs Rad. Los geht’s! Immer noch ohne Wattmesser und nach Gefühl. Und dieses Gefühl sagt mir heute, dass auf dem Rad nicht viel gehen wird. Ich denke mir mehrmals: „Alter, warum fühlt sich alles so schwer an?“. Im Nachhinein war klar: Die Sattelstütze war einfach zu tief, wodurch ich keine Power auf die Pedale bringen konnte. Die Kraft verpuffte. Nach knapp 30 Minuten erreiche ich wieder die Wechselzone. Nehme vorher ein bisschen raus. Gleich schlägt die Schwerkraft wieder mit voller härter zu. Dann wenn es auf die 5km Laufstrecke einmal rum um den Briesensee geht. Ich springe vom Rad ab. Ab durch die Wechselzone. Tief durchatmen. Die Wechsel wollte ich bewusst und ruhig angehen. Nur halt trotzdem schnell. Hat nicht geklappt. Im Eifer des Gefechts brauche ich gefühlt ne Stunde, um meine Hacken in die Schuhe reinzuflutschen. Es nervt! Auch weil ich schon registriere, dass es amok warm ist. Klar ist: Bei zu schnellem Anlaufen explodiert das System 😀

Leider denkt man in solchen Momenten der körperlichen Angeschlagenheit nur beschränkt rational.

Ich renne relativ mühelos am viert platzierten vorbei. Bei Km 1 denke ich mir noch: „Geil, läuft bei Dir, Sören!“….um wenige Sekunden später, aus dem absoluten Nichts, völlig einzugehen. Ohne Vorwarnung schmerzt der Magen, die Bauchmuskeln krampfen, sodass ich gar nicht mehr in die Streckung komme. Die Pumpe geht jetzt aber mal so richtig, obwohl das Tempo unterirdisch ist. Zack überholt mich der Kollege von gerade wieder. Ich muss der Hitze Tribut zollen und wackel die letzten Kilometer vor mir her. Man ey! So eine Scheiße.

Da war die relativ gute Platzierung (3er Ak, 5. Gesamt) völlig unwichtig. Einfach weil ich mit meiner Leistung überhaupt nicht zufrieden war. So kurz nach dem Rennen konnte ich natürlich noch nicht rational denken. Ich wusste nur, dass das Schwimmen bescheiden war, auf dem Rad gefühlt kaum was ging und ich dann beim Laufen eingebrochen bin. Aus dieser Perspektive also völlig verkackt 😉

Nach einer Weile, ein paar kühlen Getränken und dem ein oder anderen Plausch, kam ich so langsam dahinter, was genau passiert war und zog meine Schlüsse daraus.

Alles war zu erklären. Die Form da. Und im Hinterkopf noch der Cottbus Triathlon einen Tag später. Ich überlegte eine Weile. Und drehte abends nochmal eine kleine Runde auf dem Triathlonrad. Jetzt mit richtig eingestellter Sattelstütze. Und da wurde mir klar:

„Junge, du wirst morgen in Cottbus abliefern. Du hast mega Bock, bist kaum müde – also worauf zum Teufel warten?!“

 

Tatort 2: Cottbuser Ostsee Tri – Geil, wenn 1 Plan aufgeht!

Stehe entspannt 7 Uhr auf. Haue mir ein weißes Brötchen mit Schokoaufstrich und einen Kaffee rein. Das ganze Equipment rein ins Auto und ab dafür! Nur mit einem kleinen Umweg zum Bahnhofs-Kiosk. Die Ausbeute? Ne Coke, Capri-Sonne (Geschmack Multivitamin) und ne Handvoll Gummibärchen. Dieses zweite Frühstück war weltklasse! 😀

Ich muss zugeben, dass ich mit etwas Wut im Bauch losfuhr. Wegen des Hitzedebakels am Vortag.

Weil ich mich vor ein paar Monaten als erster angemeldet hatte, bekam ich bei der Anmeldung die Startnummer eins. Für mich ungewohnt. Wer mich kennt, weiß, dass ich das Rampenlicht nicht brauche. So waren mir einige Blicke der anderen Starter und Zuschauer sicher. „Oh, der muss wohl gut sein, wenn er schon die 1 trägt….

Egal. Zeitsprung. Wieder 11 Uhr. Startschuss. Diesmal 750m bzw. 2x 375m mit einem kurzen Landgang. Heute finde ich schnell meinen Rhythmus, sprich oberkörperbetontes Kraulen mit einem 2er Beinschlag. Das ist so eine Sache, wo ich gerade im Training viel am Tüfteln und Testen bin. Es gibt zwar wenige Basics, die alle guten Schwimmer richtig machen, nur schwimmt jeder doch ein wenig auf seine Art. 2-, 4-, 6er -Beinschlag? Hoher Ellenbogen wie im Becken oder etwas adaptiert mit mehr gestrecktem Arm über Wasser? Auf wie viele Zugmuster einmal atmen? Den Atemvorgang mit dem Sichten der Strecke kombinieren? 2er- oder 3er Atmung? Etc…

Und was ist mit dem (smarten) Pacing? Wenn wir mal ehrlich sind, preschen ja doch alle zum Anfang los, als wären sie Frodeno. Die ersten Meter gleichen einem Sprint. Und dann kommt der große Zerfall. Die Pumpe sagt einem, dass man das niemals durchhält. Die Zugfrequenz sinkt, die Pace auch. Kurzum: Kein gutes Pacing!

Laut Coach Jan Wolfgarten (Swimazing) sollte es eher wie folgt laufen: Du startest mit einer flotten Pace, aber auf keinen Fall All out. Die ersten Meter musst Du natürlich etwas mehr Laktat tolerieren können (solltest Du im Training üben!!). Du machst einen 6er Beinschlag. Danach solltest Du das Schwimmen progressiv aufbauen. Heißt: Du steigerst Dich langsam, sodass Du bei ca. 200-300m auf Deiner Ziel Pace bist und diese dann „nur“ noch hälst.

Zurück zum Triathlon. Sicherlich nicht ganz so perfekt, wie eben beschrieben, dennoch spulte ich die 750m so ähnlich ab. Auf der zweiten Runde konnte ich noch einige überholen, sodass ich als 6. Aus dem Wasser kam. Vorjahressieger Arturs Zabothens (TSV Cottbus) brummte mir dennoch knapp 2 Minuten auf. Knapp dahinter Marvin Wetzk (TV Dresden), der ebenfalls sehr stark schwamm und überhaupt ziemlich souverän heute agierte.

Schnell durch die Wechselzone. Doch ich Depp hatte vergessen die Schuhe mit einem Gummi am Rad zu fixieren. Also baumelten sie schön vor sich her und ich hatte erstmal ne ganze Weile zu tun, in die Treter zu kommen. Doch das steigerte meine sowieso schon latente Wut nur noch mehr. Als die Klettverschlüsse nach 200-300m endlich zu waren, kannte ich nur noch eine Devise: Attacke…

…Attacke soweit es ging. Denn die Strecke (Rundkurs a 5km) war katastrophal. Ständig Schlaglöcher und Wellen im Teer. Einige wussten das, und starteten gleich mit Rennrad. Auch weil es einige Kurven zu bewältigen galt. Im Endeffekt war meine Entscheidung, mit meinem TT zu starten, trotzdem richtig. Irgendwann schnappte ich mir den Arthur. Relativ mühelos zog ich an ihm vorbei. Ich weiß ja noch aus den letzten Jahren sehr gut, wie es ist, als „Rennnradboy“ von den Jungs auf ihren TT-Bikes überholt zu werden…

Da auch die Leute vom Supersprint und die Staffeln auf der Strecke waren, war es für mich ziemlich unübersichtlich. Ich dachte, dass ich so auf Position 5 oder 6 liegen müsste. Auch auf jeder Runde im Augenwinkel: Bahnweltmeister Maximilian Levy, der sich mal im Triathlon probieren wollte. Was eine Maschine. Und damit meine ich nicht das Rad…

Schließlich ging es für mich mit der zweit schnellsten Radzeit und auch als zweiter in T2. Nice! Doch so weit vorne! Der Wechsel in die Schuhe war wieder peinlich. Es waren wieder die selben wie vom Vortrag. Für diesen Wettkampf musste es halt nochmal so gehen. Aber der erste (Marvin Wetzk) war eh schon ne gute Weile auf der Laufstrecke.

Was mir in dieser Sekunde gerade einfällt: Ich habe Dir noch gar nichts vom Wetter erzählt. Darüber jammern Triathleten ja besonders gern. Nur gab es heute nichts zu lamentieren. Es war warm, aber nicht heiß. Eine leichte Briese lag in der Luft. Wow, fast angenehm, könnte man sagen!

Diesmal hatte ich übrigens auch mal alle Zuckergels vor und während des Rennens weggelassen. Einfach nur ein bisschen Cola in die Radflasche. Das war’s! Schätze es war gut so! Der Magen meldete sich nicht. Die Pace stimmte und zu meiner Überraschung – und auch beflügelt vom Rennverlauf – konnte ich innerhalb eines Triathlons endlich mal den „Gashahn“ beim abschließenden Lauf voll aufdrehen. Fühlte sich ziemlich geil an. Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, ob die Zeit von 17:30min mein tatsächliches Potential auf 5km abbildet – vielleicht war die Strecke etwas zu kurz? Aber selbst dann habe ich immer noch eine sehr starke 18er Zeit stehen, was für meine Verhältnisse absolut top ist!

Finish als zweiter! Knapp eine Minute dahinter der sichtlich enttäuschte Vorjahressieger. Im Interview vor dem Rennen bestätigte er dem Moderator noch seine Ambitionen, höchstwahrscheinlich wieder als Sieger über die Ziellinie zu laufen. Karma?

Kurzum: Eine starke Leistung von mir. Nicht perfekt, aber ich konnte das abrufen, was ich mir eigentlich schon für den Tag davor erwartete.

 

Der kommende Tatort: Ballern beim Helenesee Triathlon!

Zwar bin ich noch nicht final angemeldet, doch werde ich sehr wahrscheinlich kommenden Sonntag beim Helensesee Triathlon bei Frankfurt/Oder starten. Wieder im Sprintformat. Nur diesmal MIT Wattmesser. Bin sehr gespannt! Jemand von euch auch zufällig da?

 

Beste Grüße

Sören

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28 Jahre, Freigeist, sportaffin, der irgendwas mit Marketing studiert hat, um nun doch auf den journalistischen Zug aufspringen zu wollen. Passionierter Triathlet ist er auch noch. Auf dem Sportsfreund Blog bloggt Sören rund um den Triathlonkosmos, philosophiert (mit anderen) über Trainingsstuff- und Lifestyle. Das Wichtigste: Hauptsache Du hast Spaß bei dem was Du tust.

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