MOTIVATION rennrad

Dieses Radrennen ist nichts für Deine Komfortzone!

Mein Puls ist am Anschlag, die Oberschenkel brennen lichterloh, auf der letzten von insgesamt vier Runden beim Kamenzer Bergradrennen bin ich längst aus meiner Komfortzone. Der finale Kopfsteinpflasterberg wird mir in wenigen Sekunden alles abverlangen. Ich gehe mit knapp 40 km/h als erster der großen Gruppe in ihn hinein, in der Hoffnung, irgendwie die nächsten vierzig Sekunden zu überleben. Die große Frage: Kann ich endlich meine Schmach 2016 vergessen machen und ein starkes Rennen abliefern?

Seit Wochen im Oberstübchen…

Seit Wochen hatte ich den gestrigen Tag im Kopf. Geht’s auch konkret? Ja, ich meine das Kamenzer Bergradrennen, welches Teil des jährlichen Kamenzer „Blütenlaufs“ ist. Wahlweise kann man als „Jedermann“ und Hobbyfahrer bei den 50km bzw. 80km Radrennen an den Start gehen. Wobei das meiner Meinung nach nicht viel mit Hobby-Dasein zu tun hat. Klar, Profi ist hier keiner, aber alle die hier vorne mitfahren wollen, müssen etwa 4 Watt/kg (besser mehr!) fahren können. Sonst fährst Du ein einsames Rennen…Aber gut: diesmal entschied ich mich für die 50Km Variante, auch weil es schon einen Unterschied ausmacht, ob der mitgereiste „Fan-Anhang“ – diesmal meine Mum 🙂 –  eineinhalb oder zweieinhalb Stunden auf dem vor Menschen überkochenden und sonnengetränkten Matktplatz warten muss. Ein Aspekt, den man als Sportler gern vergisst!

Analyse: Dynamik des Rennens und meine Perspektive

Wie es sich für ein „echtes“ Radrennen mit fast ausschließlich „echten“ Radfahrern gehört, ging es von Sekunde eins volle Kanne los! Wer das nicht weiß, und noch dazu Hemmungen hat, die ersten 500 Meter über das Kopfsteinpflaster zu ballern, hat die Gruppe verloren – sorry, ist so! So ging es mir 2016, und so wollte ich es definitiv nicht nochmal erleben. Teilmission erfüllt!

Bergauf, bergab! Das Kamenzer Bergrennen macht seinem Namen alle Ehre

 

„Sorry Beine, Laktatabbau jibts jetzt nich!“

Nächster Stolperstein: Die Taktik am Berg: Letztes Jahr noch von Jörg Ludewig oft gepredigt, wusste ich ganz genau, dass ich gerade die letzen Meter oben auf den Hügeln nicht rausnehmen darf, da man hier a) mega viel verschenkt und b) den anderen Futter für laktatisierende Attacken gibt. Und so kam es auf den vier Runden einige Mal dazu, dass ein anderer direkt auf der Kuppe in die Abfahrt hineingesprintet ist. Mein Motto dabei: „Sorry Beine, Laktatabbau jibts jetzt nich!, weiter vollen Schub bitte!!“ Zum Glück hatte ich an diesem Tag sehr gute Beine, wie man immer so schön sagt. Sie gehorchten mir brav, und lieferten die nötigen Watt auf die Pedale! Und jetzt mal Butter bei die Fische mit dem folgenden Screenshot…

 

 

Was mir vorher zwar klar war, ich aber dennoch während der knapp eineinhalb Srunden immer und immer wieder schmerzhaft zu spüren bekam: die zahllosen Attacken, vor allem am Berg bzw. bei kleineren Erhebungen. Und wieder 500-600 Watt ein paar Sekunden treten. Das ist meine Muskulatur und mein Herz-Kreislaufsystem auf die Dauer einfach nicht gewohnt.

Aber wer will schon in der Komfortzone leben, richtig?! So gab es keine Attacke, bei der ich zögerte; einfach wieder aus dem Sattel und versuchen dran zubleiben! Sau schmerzhaft, aber gerade in der Retrospektive bin ich schon etwas stolz auf meine Leistung. 317 Watt durchschnittlich getretene Leistung („normalized Power“) kann sich sehen lassen! Damit bin ich echt happy. Einfach mal durchgebissen, sich richtig „einen eingeschenkt“, auch das viel zitierte „Blut im Hals“ war da – zumindest brannte die Kehle die ersten Minuten nach dem Finish!

Was bringt mir diese Leistung?

Die kurze Antwort: Vieles! Da wäre der Spaß an der Sache, das ganze Drumherum, der Wettkampf an sich, der einen, mich, glücklich macht. Darüber hinaus war es ein guter und vor allem untypischer Trainingsreiz – glaube ich. Wenn ich mir jetzt ein paar Tage aktive Regeneration gönne, sollte mich dieses Rennen ein paar Prozentpünktchen fitter gemacht haben!

Und überhaupt: Es werden weiterer solcher Radrennen, und damit triathlonuntypische Reize, kommen. Einfach weil ich es kann und weil die diesjährige Saison im Zeichen des Formaufbaus der drei Disziplinen steht. Sicherlich durch das Fehlen eines Zeitfahrrads bedingt, aber das ist eine andere Schublade, die ich jetzt nicht schon wieder aufmachen will. Und außerdem gibt es ja Sprints Triathlons und solche, wo Windschattenfahren erlaubt ist. PS: Mein diesjähriges A-Rennen wird ein solches in Österreich sein.

Bis dahin muss ich noch einige Mal an der Intensitätsschraube drehen – gerade in Sachen VO2MAX-Training. Aber das Positive wollen wir auch nicht vergessen: Im Schwimmen geht es dank Jan Wolfgarten und Swimazing ordentlich voran, durch den neuen Powermeter und 1000% Motivation ist die alte Ötztaler-Form wieder da – fehlt eigentlich nur noch meine Laufform. Aber wie Mic Jagger es treffend singt:

„You can’t always get what you want“…

 

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28 Jahre, Freigeist, sportaffin, der irgendwas mit Marketing studiert hat, um nun doch auf den journalistischen Zug aufspringen zu wollen. Passionierter Triathlet ist er auch noch. Auf dem Sportsfreund Blog bloggt Sören rund um den Triathlonkosmos, philosophiert (mit anderen) über Trainingsstuff- und Lifestyle. Das Wichtigste: Hauptsache Du hast Spaß bei dem was Du tust.

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