TRIATHLON

Das war der Berlin City Triathlon 2019!

Es geht Schlag auf Schlag – nach dem Giro Abenteuer ist nun auch der Berlin City Triathlon leider schon wieder Geschichte! Im Rahmen der „BerlinFinals“ gab es neben der 1. Bitburger 0,0% Triathlon Bundesliga am Samstag und Sonntag jeweils ein Jedermann Rennen. Ich startete Sonntag auf der Sprintdistanz. Mein Ziel war es, Leistung zu zeigen – unabhängig von Platzierungen und Zeiten. Ob es mir gelungen ist? Schauen wir uns den Spaß mal an…

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Erst Wattwanderung, dann schwimmen im warmen Wannsee

Am Vortag konnte ich mir schon einen Eindruck vom Wannsee Strandbad machen und es stimmt: Die ersten Meter gleichen einer Wattwanderung. 50-60 Meter ist der erstmal knietief. Die Taktik war klar: möglichst weit rein rennen, dann einige Hechtsprünge. Lange Beine und eine hohe Lauffrequenz sind hier vom Vorteil. Habe ich beides jetzt nicht wirklich…

Sonntag 8 Uhr: Der Startschuss für die erste von vier Teilnehmerwellen ertönt. Das Ganze wird mit epischer Musik dramatisiert. Nice! Wir rennen wie aufgescheuchte Hühner über den Wannsee. Dann noch ein paar „Hechter“ und los geht’s auf die verbleibenden knapp 700m. 300m zur ersten Boje, dann an drei weiteren vorbei und 300m wider zurück zum Strand. Rückblickend kann ich sagen, dass es über die gesamte Strecke ein sehr kontrolliertes Schwimmen war. Hatte ich so auch noch nicht. Ich habe das Rennen jetzt mehrfach für mich im Kopf analysiert – und mich gefragt: „Bist Du überhaupt voll geschwommen?“ Jedes Mal, wenn ich mir das Schwimmen nochmal durch den Kopf gehen lasse, muss ich es verneinen.

Der Phantom 2.0 Speedsuit war natürlich ein mentaler Boost! Klar verbessert er auch nochmal die Wasserlage durch die Kompression. Aber für mich war es vor allem ein mentaler Aspekt. Sobald ich ihn endlich mal anbekommen hatte, fühlte ich mich stark. Über die gesamte Strecke mache ich fast ausschließlich einen 2er Beinschlag. Swimazing Coach Jan nennt es gern „Schleppbeinschlag“. Selbst Topschwimmer wie Leonie Beck schwimmen ihre Freiwasserrennen oft so. Und meine Intention war, dass ich so viele Körner für die zwei weiteren Disziplinen sparen könnte.

Meinen leichten Rechtsdrall habe ich noch immer. So musste ich einige Male meine Richtung korrigieren, was natürlich immer einen kurzen Sprint zurück zur Gruppe bedeutete. Nervig. Daran muss ich arbeiten! Auf den letzten 300m – also direkt nach der letzten Wendeboje  – ahne ich durch meine mal wieder fast komplett beschlagende Schwimmbrille das Ziel. Ich forciere nicht den Beinschlag und bereite mich mental schon auf den brutalen Wechsel vor. „Cool, das war solide“, denke ich mir schon während der letzten Kraulzüge.

Erst wieder durch das knietiefe Wasser rennen, dann den Sandstrand hoch – und als wäre es nicht schon anstrengend genug – sollen wir nun auch noch knapp 80 Treppenstufen hoch. Na danke ey! 😀

Oben angekommen ging mir richtig die Pumpe. Die Beine wurden immer schwerer! Aber ich ging’s locker an. „Hier verlierst Du nicht den Wettkampf“, redete ich mir ein.

Zeiten sind ja immer so eine Sache. Vergleichen kann man sie bei Freiwasserrennen eh kaum. Seinen 100m Schnitt herunterrechnen, bringt wenig. Zumal ja oftmals auch nicht das reine Schwimmen als Endzeit dasteht. Gefühlt war es vielleicht ein 1:23-1:24 Schnitt auf 100m. Im Becken kann ich das inzwischen schon sehr, sehr genau abschätzen. Aber im See – und unter dem Wettkampfstress – kaum einschätzbar für mich… Am Ende hieß es für mich: Platz 16 nach dem Schwimmen. Völlig okay bei dem Input-Output-Verhältnis!

Hoch und runter auf der Havelchaussee – Radfahren war ein Genuss

Nach dem ich den Treppen-Endgegner mit blinkender Lebensenergieleiste überwunden habe, schnappte ich mir meinen ersten Wechselbeutel. Sie lagen vor der Wechselzone nach unseren Startnummern auf dem Boden verteilt aus. Dort packte ich hastig meine Schwimmutensilien hinein. Kurz danach gab es auch noch Bierbänke, wo man sich umziehen konnte. Hier stoppte ich kurz, um aus dem Speedsuit zu schlüpfen. Es dauerte doch ein paar Sekunden länger. Hatte ich leider zu wenig geübt. Egal. Rein damit in den Beutel und in die dafür vorgesehene Box geworfen!

Sofort war ich körperlich und mental auf einem höheren Level. Denn jetzt ging es ja endlich auf die geile schwarze Rakete! Ich hatte richtig Bock. Kaum hatte ich mir mein TT geschnappt, konnte ich auch schon wieder sprinten und tat das bis zur Linie, bei der man erst aufsteigen durfte. Die knapp 20km lange Radstrecke war sehr wellig. Es gab 2 etwas längere Hügel. Hier konnte ich ein paar Leute einholen. Größenteils fuhren wir dann zu viert. Natürlich fair! Und wenn der Abstand zum Vordermann doch mal kleiner wurde, fuhr man etwas versetzt. Dieses Selbstverständnis auch bei anderen zu sehen, war echt geil!

© sportograf 2019

Leider kann ich diesen Sportsgeist nicht allen Teilnehmern anhängen. Nach einem Wendepunkt kamen uns einige Pulks entgegen, die einer RTF glichen. Natürlich ist es schwer, dass bei einer so kurzen Strecke alles 100% fair zu geht. Aber es ist halt auch keine Ausrede und hängt am Ende des Tages an den Athleten selbst. Schön anzusehen war es nicht, aber es hat uns auch nicht direkt betroffen.

Die letzten 1-2 Kilometer gingen am Olympiapark vorbei. Hier waren im Gegensatz zur Havelchaussee viele Zuschauer und Supporter am Streckenrand. Es war echt geil! Schließlich ging es in den Wechselgarten. Die Wattdaten sind diesmal nicht überragend (270Watt NP; 280 hätte ich gern da stehen sehen :D). Dafür bin ich aber mit der Teilplatzierung happy. 23 Sekunden fehlten mir am Ende auf die Top3. Solide! Als 12. stellte ich mein Bike in den Ständer und joggte in Richtung Wechselbeutel zwei.

© sportograf 2019

Anspruchsvolle, aber sehr geile Laufstrecke am Olympiastadion

Die drei anderen aus meiner Gruppe spurteten gerade zu zu den Wechselbeuteln. Das muss ich auch noch trainieren. In Jonas-Schomburg-Manier schnellere Wechsel hinzubekommen, sollte definitiv auf der To-Do-Liste für 2020 stehen!

Jedenfalls schnappte ich mir nun den zweiten Wechselbeutel. Ich griff nach den Nike Flyknit (top für schnelle Wechsel) und meinem Schweißband. Nun schnell den Helm in den Beutel, in die Schuhe und dann los! Den Beutel warf ich wieder in eine Box.

© sportograf 2019

Auch auf der Laufstrecke ging ich es erstmal behutsam an. Oft fühlt man sich ja stark und will den Gashahn sofort voll aufdrehen. Ich wusste jetzt schon, dass es ein sehr guter Wettkampf für mich werden könnte. Zumal ich auch echt top platziert war. Dennoch hatte ich es sonst immer Mal, dass ich rechts sowas wie Seitenstechen bekommen habe. Bei Läufen, Triathlons aber auch manchmal bei Intervalleinheiten im Training. Ich tippe mal auf zu schnelles Anrennen und falsche Atmung? Jedenfalls wollte ich das diesmal unbedingt vermeiden.

Die 5,2km lange Strecke war auf zwei Runden aufgeteilt. Zweimal ging es einen ziemlich fiesen und steilen Hügel hinauf. Echt reudig! Bin kein Bergfloh. Hier musste ich es echt chillig angehen und bin eher hochgejoggt als weiterhin zu pacen. Auch das ist eine Baustelle, die angegangen wird und letztes mit viel ehrlicher Arbeit im Lauftraining zusammenhängt.

Dennoch konnte ich die 5,2km gefühlt gut durchpushen. Die 21er Zeit ist kaum aussagekräftig. Zum Anfang war ich kurz geschockt. Für so eine Zeit fühlte es sich viel zu schnell an! Ich hatte eher mit einer tiefen 19er Zeit gerechnet. Aber was ich berücksichtigen muss: Wechselzeit sowie die zwei längeren Anstiege und die zu lange Strecke. Vielleicht bin ich an diesem Tag keine Sub19 gerannt – was zu mindestens das Ziel war und ich auch schon zwei Mal diese Saison zeigen konnte. Es ist wie es ist. Oder war. Und wie eingangs formuliert, war ich nach meinem Schlussspurt und auch jetzt einfach happy über den Rennverlauf. Ich konnte „racen“, bekam keine Material,- Magenprobleme auf der Strecke und somit stimmte die Performance mit ein paar wenigen, erwähnten Abstrichen!

„Es hat riesen Spaß gemacht, beim Berlin City Triathlon mitzumischen!“

Kurzum: Ein echt genialer Triathlon Wettkampf. Organisatorisch nahe zu top! Im Gegensatz zu den meisten lokalen „Wald-und-Wiesen-Triathlons“ (nicht abwertet gemeint) war das alles schon einen Tick professioneller vom Programm und Rennablauf her. Die Wettkampfeinweisung gab es schon am Vortag. Seine Startunterlagen konnte man sich schon Freitag oder Samstag abholen. Es gab verschiedene Wechselbeutel, damit in den Wechselzonen alles seine Ordnung hatte, Wettkampfschiedsrichter (die bei den Windschatten-Pulks aber leider machtlos waren) und der Zieleinlauf war der selbe wie bei der 1. Bitburger Triathlon Bundesliga! Ein langer blauer Teppich hin zur Finisherline. Anmoderiert von Hartwig Thöne und dem Weltmeister Daniel Unger. Geht kaum geiler! Sollte es eine zweite Auflage nächstes Jahr geben, bin ich auf jeden Fall wieder am Start!

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28 Jahre, Freigeist, sportaffin, der irgendwas mit Marketing studiert hat, um nun doch auf den journalistischen Zug aufspringen zu wollen. Passionierter Triathlet ist er auch noch. Auf dem Sportsfreund Blog bloggt Sören rund um den Triathlonkosmos, philosophiert (mit anderen) über Trainingsstuff- und Lifestyle. Das Wichtigste: Hauptsache Du hast Spaß bei dem was Du tust.

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