TRIATHLON

„Mach Triathlon“, haben sie gesagt… (Kurz)Geschichten die der Sport schreibt

Mein Social Media Feed nervt*. Gefühlt brechen gerade ALLE in Richtung Kona, Hawaii, auf. Oder posten schon fleißig Impressionen von dieser Traumkulisse – Ironman Weltmeisterschafft und so. Du weißt… . Für viele hingegen lässt sich das Sportliche anders skizzieren: Es ist diese Jahreszeit, wo für viele entweder die Off-Season grüßt, oder man selbige bereits wieder verabschiedet hat. Man schweift gern mal gedanklich ab. Wie war die Saison eigentlich so? Welche Geschichten wurden geschrieben? Klar, unzählige. Aber einige prägen sich besonders krass ein. Drei davon werfe ich heute in die Runde…

*natürlich mit ein einem Augenzwinkern gemeint 😉

Aero ist alles, haben Sie gesagt…

…ohne Triathlonrad geht nix, haben sie gesagt. Zugegeben. Lange habe ich damit immer wieder kokettiert, dass es auch ohne „TT-Bike“ geht. Man muss ja nicht jeden Trend mitmachen. So ein TT-Bike brauche ich nicht…

kein Triathlet jemals.

Und ja, diese Carbonraketen sind teuer. Aber sie sind halt auch leider sehr geil! Als es mitte April endlich soweit war, erfüllte sich ein langjähriger Traum. Oder machen wir es konkret. Seit 4 Jahren, solange tingel ich jetzt schon in der Triathlonszene herum, bin ich wahnsinnig fasziniert von diesem Sport. Von den Menschen, diesen positiv verrückten, bunten Vögeln!

Aber um noch einmal auf diese Aero-Sache zu kommen. Ja, Aero ist (fast) alles. Selbst auf einer Sprintdistanz (20km) gewinnst Du mit einem Rennrad keinen Blumentopf mehr. Besonders krass war es letztes Jahr bei einem Zeitfahren in Sachsen. Ich dachte, ich komm mit einer brutalen Form dahin und kann die „TT-Boys“ ein bisschen Ärgern.

lol.

Ich habe richtig, also so richtig, kassiert auf der Strecke. Und da wusste ich:

„Junge, Du brauchst auch so ein TT Bike!“.

„Die echte Maschine sitzt auf dem Rad“, höre ich noch immer Jörg Ludewig, Marketingboss vom Alpecin Jedermann Team, sagen. Damit ich diese Tatsache zumindest mal versuche, zu füllen, startete ich vor wenigen Tagen mit einem neun 12-Wochen Radblock. Oder wie ich es auf Youtube getauft habe: „Ballern bis der Santa kommt!“

First out of water? Kann nicht sein…

Lass uns die Zeit anhalten und zurückspulen.

2015. Ich, noch Jüngling im Triathlongame, versuche mich an meinen ersten Wettkämpfen. Dass ich mir mit gerade mal 3-4 Monaten Schwimmtraining direkt als zweites eine Mitteldistanz ausgesucht habe, ist sicherlich nicht der smarteste Move. Als einer der wenigen starte ich ohne Neo. Brutal motiviert, aber auch brutal schlecht im Kraulen. Es vergehen mehr als 40 Minuten, bis man mich wieder an Land sichtet. Ich glaube diese Zeit brauche ich nicht weiter einzuordnen. Noch immer desillusioniert von einer unerwarteten Panikattacke und mehreren Minuten des Brustschwimmens, taumele ich in Richtung erster Wechselzone…

Zeitraffer.

25.08.19 – Zug um Zug cruise ich durchs Wasser. Es ist recht wellig im Dreiweiberer See, dem Tatort des Knappenmans. Einem der prestigeträchtigesten Triathlonrennen in der Region. Nachdem ich auch die letzte der vier Bojen umrundet habe, checke ich kurz die Lage hinter mir.

„Shit, Sören, Du führst die Meute an“.

Wenige Momente später kann ich bereits Christian Holzmachers Stimme hören. “Und da kommt bereits unser erster Einzelstarter“…

Er meint mich.

Holy Shi**

Lass uns nochmal ein paar Sekunden vorspulen. Die Menge bildet das Spalier. Jubelnd. Klatschend. Grölend. So richtig nehme ich es nicht war. Klar, ich bin im Tunnel. Voll fokussiert. Oder besser gesagt: Voll am Limit.

4 Jahre. Unzählige Einheiten im Wasser. Viele Zweifler am eigenen Talent. Aber drangeblieben. Kontra K hat recht:

Erfolg ist kein Glück.

Hey Commitment, schön dass Du 2019 wieder da warst!

Ich liege im Bett, es ist einer dieser späten Sommertage im September. Die Nachmittagssonne flutet mein Zimmer. Ich bin noch leicht verstrahlt vom Powernap. Sollte eigentlich nur 10 Minuten gehen. Es wurden fast 2 Stunden draus. So genial ein kleines Mittagsschläfchen ist, so fatal fühle ich mich danach, wenn er doch wieder ausgartet ist.

Auf jeden Fall lungere ich noch eine Weile im Bett und lasse meine Gedanken schweifen. Noch mal die Saison Revue passieren. Und bin stolz auf mich. Stolz darauf, die kleinen und großen Ziele erreicht zu haben. Stolz darauf, den großen Teil des Trainingskuchens verputzt zu haben. Stolz darauf, an schlechten Tagen, wenn gar nichts im Training zusammen laufen wollte, ruhig geblieben zu sein. Das gehört dazu. Immer. Bei jedem. Und Du musst halt schauen, dass Du das akzeptierst.

Stell Dir vor, Du sitzt in einer Achterbahn, bei der es nur Bergauf geht. Wäre doch langweilig oder? Die Höhen und Tiefen machen das Ganze doch erst so lebenswert.

Einige Male hang ich nach einem harten Set am Beckenrand und grübelte, warum ich meine Abgangszeit des Intervalls nicht einhalten konnte. Stellte ALLES in Frage. Wegen ein paar Sekunden…Das ist doch total verrückt, oder?

Aber genau dieser tägliche Wahnsinn ist es wiederum, der uns alle so pusht. Das Streben nach mehr. Das Streben nach den eigenen Limits. Und nach Pizza. Viel Pizza!

Ok, ich drifte ab. Das ist eine andere Geschichte.

2020 geht die wilde Triathlonachterbahn weiter. Ich hab‘ mein Ticket schon! Du auch?

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28 Jahre, Freigeist und sportbekloppt. Hat irgendwas mit Marketing studiert, um dann doch auf den journalistischen Zug aufspringen zu wollen. Passionierter Triathlet ist er auch noch. Seine Leidenschaft zum Sport und zum Kreativen lebt er jetzt bei Swimazing aus. Hier findest Du ab und an Texte über seine sportliche Reise zum Triathlon Olymp. Gut, da wird er nie hinkommen. Aber er bleibt dran und hat vor allem eins dabei: Spaß.

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