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Selbstreflexion im Sport | Diese 4 Anfängerfehler mache ich im Training nicht noch einmal!

Zwei, drei Trainingseinheiten zu verpassen, ist kein Weltuntergang!

Foto: Henning Angerer/Alpecin Cycling

Unser Sportlerleben, egal ob amateurhaft oder profimäßig, hat immer zwei Seiten der Medaille: Die eine glänzt, ist schön und ruhmreich. Es geht um Trainingserfolge, Bestzeiten und soziale Anerkennung auf sozialen Netzwerken. Die andere jedoch kann brutal ehrlich sein – wie von einer Tarantel gestochen, kann sich all das Positive ganz schnell nur noch zu Schall und Rauch verflüchtigen. Ganz offen: So genial meine Situation derzeit auch sein mag, bin ich schon immer ein (Sports)Freund davon gewesen, auch die ungeschönte Seite – meaning die Rückschläge – zu zeigen.

Beginnen wir als Warm Up mit einer viel diskutierten Phrase und wandeln sie in eine Frage um:

„Lernt der Mensch nur aus Fehlern?“

Darüber darfst Du reflektieren. Jetzt oder später…

Was war passiert?

Sonntag, 30. April 2017. Es ist ein milder Frühlingstag, der mich regelrecht zum Training einlädt. Tatort des gleich kommenden Vorfalls ist die Lausitz. Hinter mir liegen 500 Wochenkilometer inklusive der letzten zweieinhalb Stunden unteres Ga2-Treten mit vielen Wattpeaks, da mir der Lausitzer Wettergott heute massiven Gegenwind aus Süden beschert. Zugegeben bin ich etwas müde. Sowohl körperlich als auch mental. Die letzten 3 Wochen kamen 1350 Km auf dem Aerorad zusammen – die Formkurve zeigt definitiv steil nach oben. Alles super! Dieses „Ausrollen“ der Abendsonne entgegen ist phänomenal. Ich bekomme öfters Gänsehaut, schreie hier und da „Yes“ oder „Wuhuuu“, während ich mit 40 Sachen durch die Lausitzer Alleen rase. Ich bin endorphingetränkt. Aber auch leicht ausgekühlt. Letzteres nehme ich jedoch kaum wahr. Es ist einfach alles so geil im Moment. Vor mir nur noch wenige Kilometer, bis das Ortsschild meiner Heimatstadt kommt. Aufgrund der einbrechenden Nacht und des nicht nachlassenden Gegenwinds, beschließe ich, jegliche Trainingsvorgaben über Board zu werfen und wenige Minuten jenseits der 300 Wattgrenze zu fahren. Einfach weil ich es kann. Eine dumme Entscheidung!

„Nein, ein paar Trainingseinheiten zu verpassen, ist kein Weltuntergang! Das habe ich gelernt.“

Nach ca. 160 Sekunden lasse ich es gut sein und freue mich fast da zu sein. Die vor mir liegende „Welle“ will ich trotzdem nochmal im Wiegetritt hochballern. Und da merk ich es kurz. Diese unterschwellige Zwicken im Bereich des linken Semimembranosus. „Ohh oh, Krampf?“, denke ich mir. Rausnehmen, locker pedalieren. Wieder Wiegetritt, wieder das Ziepen. Kein wirklicher Schmerz, aber unangenehm. Die abschließenden 20 Minuten fahre ich nur noch locker. Nicht mal 150 Watt oder so. Es rattert bereits im Oberstübchen! „Verdammt, was war das?! Ist das jetzt schlimm? Vielleicht nur ein Krampf mit hässlichem Abgang?“…

Machen wir einen Zeitsprung…

10.05.17 – 10 Tage nach dem „Zwicken“ will ich es unbedingt wieder probieren. Auch weil die Ungewissheit einen zerfrisst. Ein Krampf war es sicher nicht. Auch keine Zerrung, dafür war das Ziehen zu lokal. Einige Tage danach habe ich es noch gespürt und mich in Absprache mit meinem Coach entsprechend des PECH-Prinzip’s geschont. Dem Muskel oder der Sehne Zeit gegeben, sich zu „akklimatisieren“.

Auf jeden Fall werde ich auch die kommenden Tage ruhiger angehen. Nicht gleich wieder All IN. Allerdings darf ich auch nicht in komplette Starre verfallen. Wir sind für Bewegung gemacht. So will es die Evolution. Alles was nicht schmerzt, ist drin – gehen, lockeres Athletiktraining, easy kurbeln mit leichtem Gang. Hauptsache „die Pumpe“ und der Bewegungsapparat bleibt in Schwung.

…and it’s all about your mind!

Worüber ich diesmal erstaunt bin? Über mein Mindset. Klar, im ersten Moment war ich geneigt, in Trauer rund Lethargie zu verfallen. Zumal gerade die 2 Trainingslager davor echt mega & effektiv waren. Aber es ist nicht alles zu nichte, zumindest nicht, wenn ich mich jetzt richtig verhalte. Die Form verfliegt nicht so schnell, die gesammelten „Basemiles“ und Höhenmeter bleiben im Tank! Nein, ein paar Trainingseinheiten zu verpassen, ist kein Weltuntergang! Das habe ich gelernt.

Trotzdem darf ich mich hinterfragen, was falsch lief. Selbstreflexion ist hier das Stichwort! Für uns Sportler ein enorm mächtiges Tool, um Körper und Geist im Balance zu halten. Welche 4 Keypoints bzw. Anfängerfehler habe ich mir also wieder vergegenwärtigt, weil vernachlässigt…?

  • Ich habe mich vorher nicht mit Mobility- & Faszien-Movements warmgemacht (eigentlich meine Routine!!)
  • Ich bin mit hoher Wochenbelastung viel zu spät nochmal kurz ohne Sinn „All IN“ gegangen
  • In der Post-Trainingslagerwoche habe ich zu viel trainiert (Superkompensations-Error)
  • Ich habe keine lange Bibshorts dabei gehabt (schlechte Planung)

Wie immer gilt also: Wir, und nur wir, sind für unser Tun und Lassen verantwortlich. Ab und an sollten wir unsere Trainingsroutine hinterfragen.

über

27 Jahre, Freigeist, sportaffin und Student der irgendwas mit Marketing studiert hat. Passionierter Triathlet ist er auch. Auf dem Sportsfreund Blog bloggt er rund um den Triathlonkosmos, philosophiert über Trainingsstuff- und den Lifestyle. So Stay tuned.

2 Kommentare

  1. Hätte ich dir mal verraten, dass ich etwas zum Thema ReKom schreibe 😀 Aber so ist das eben. Fehler passieren, aber du hast sie dir bewusst gemacht. Das ist ja super Schritt. Alles Gute weiterhin.

    • ja, manchmal kann man noch so viel selbstreflektieren, es nützt alles nix: Man lässt sich im Affekt von seinen Gefühlen verführen 😀
      Sportler halt…

      Aber: ich scheine mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein, das Training „rollt“ wieder 🙂

      Beste Grüße in die Hauptstadt,
      Sören

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