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24h Schwimmen Cottbus – Wenn ein Triathlet von Schwimmern umzingelt ist

Wie viele Kilometer habe ich im Wasser wohl "wegdrücken" können?

Auf diesen Tag bzw. diese zwei Tage, hatte ich mich schon lange gefreut – am 18./19. November war es endlich soweit und 1.876 Sportskanonen (!) strömten in die Lagune in Cottbus, um beim 18. 24h Schwimmen mal richtig einen rauszuhauen. Oder einfach Spaß zu haben.

swim, turn, swim, repeat.

Wenn man so wie ich bei einem 24h Schwimmen mitmacht, ist es klar, dass man als Triathlet gegenüber „wirklichen Schwimmern“ klar unterlegen ist. Im doppelten Sinn. Einerseits von der Anzahl der bekloppten, die bereit sind, 24 Stunden auf einer 50m Bahn hin und zurück zu schwimmen. Immer und immer wieder, abstoßen, kraulen, Rollwende, anschlagen, n‘ Schluck aus der Flasche, Abgang… and repeat! Weils Spaß macht! Andererseits spielt man als Triathlet naturgemäß nur die zweite Geige, wenn‘s um Schwimmskills und Speed geht. Ohne Frage – mit meiner Leistungsentwicklung im Kraulen bin ich echt zu frieden, aber wenn Dich 15jährige locker abhängen fragst Du Dich schon „Was mach ich hier eigentlich?? :D“.  Nur gut, dass gerade erst die 14jährige Isabel Gose aus Potsdam Deutsche Meisterin bei den Kurzbahnmeisterschaften in Berlin über die 400m Freisteil geworden ist. Also vielleicht doch alles halb so wild. 😉

„Als Triathlet spielt man gegenüber Schwimmern naturgemäß nur die zweite Geige im Becken…“

Ich war auch erstaunt, wie fair und zuvorkommend es auf der Bahn abging. Ich hatte schon mit Kampfwunden a la Mike Tyson gerechnet, doch nichts dergleichen. Bei den Überholmanövern wich man stets aus, wo es ging, am Bahnende machten die Pausierenden Platz für die patschende Rollwende, und das ein oder andere Augenzwinkern von wegen „ach schwimm Du mal los, Du bist schneller“ gab‘s auch. Ne dufte Sache! Gut, die paar Kratzer und blauen Flecke hab ich mir selbst zu zu schreiben. Warum hau ich auch immer wieder mit der rechten Hand auf die schwimmenden Bahnabgrenzungen?!? Selbst Schuld, Sportsfreundchen!

Schwimmen oder Jammern? BEIDES!

Nachdem ich Freitagabend knapp 11 Km gerockt hatte, brauchte ich erstmal ein Päuschen und bin für ein paar Stunden nach Hause gefahren. „Son richtiges Bett, mein Bett, ist doch viel cooler, als so eine harte Liege in der geräuschüberfluteten Schwimmhalle“, redete ich mir ein. Doch falsch gedacht. Zwar war ich schon ziemlich kaputt aber irgendwie nicht müde. Oder vielleicht müde aber noch völlig mit Adrenalin und anderen Glückshormonen verstrahlt, weil so ein geiles Event auch nicht alle Tage (fast) vor der eigenen Haustür anklopft. Nach 3 oder 4 Stunden zwischen dösigem Halbschlaf, Wachliegen sowie dem ein oder anderen Abstecher in die Küche, entschied ich gegen 6 Uhr das es Zeit ist, die Chose cool zu finishen. Trotz aller Motivation konnte ich mich meiner Müdigkeit und latenten Abgeschlagenheit nicht ganz entsagen. Da kamen die einstündigen Pausen zwischen den Schwimmsessions sehr gelegen. Zeit genug um kurz zu dösen, ordentlich Energie nachzuschaufeln oder mit anderen Triathleten aus der Region über die eignen Befindlichkeiten zu jammern. 😀

Marathonlike – auf einmal wie im Flow

Alle Sportskanonen, die schon einmal einen Marathon gerannt sind, kennen wahrscheinlich diesen ominösen Cocktail an Emotionen während der letzten 5 Kilometer. Bei Km 37 willst Du noch alles hinschmeißen und bist völlig am Ende, um nur 3 weitere Kilometer auf einmal wie Mohamed Farah die letzten 2Km im Spurt und Dauergrinsen abzureißen. Okay nicht wirklich im Sprint, aber zumindest gefühlt! Wie dem auch sei, auf jeden Fall beschreibt diese kleine Parabel ziemlich genau meine Gefühlsachterbahn vor der letzten Session im Wasser.

Samstagnachmittag, so gegen 14 Uhr, hatte ich bereits knapp 16 km abgespult und fühlte mich dementsprechend relativ bescheiden. Das Wassergefühl war nicht mehr wirklich am Start, jeglicher Boost bereits verbraten. Doch ein paar Meter wollte ich schon noch aufs Konto gutschreiben und so hüpfte ich mit vielen anderen zusammen noch einmal ins Wasser. Schon nach wenigen Bahnen merkte ich, wie es plötzlich wie von Geisterhand lief. Die Bahn war noch einmal ordentlich voll und alle hatten Bock das 24h Schwimmen mit ordentlich Krawall zu finishen. Ich kam in eine Art Flow und kraulte noch einmal 3000 Meter hin und her.

All in All waren es 19km und knapp 9 Stunden Nettoschwimmzeit – aber viel wichtiger – ne richtig gute Portion bester Laune, Gaudi und einfach ne ner „freshen“ Zeit.  #gestörtabergeil

Heute, zwei Tage danach, fühle ich mich erstaunlich fit und hätte den Muskelkater schlimmer erwartet. Welche Erfahrungen hast Du mit 24h Schwimmen gemacht? Hast Du schon einmal bei sowas teilgenommen? Was ist Dein Bestwert oder welches 24h Schwimmen kannst Du empfehlen? Ich freue mich auf Dein Feedback!

Finally, hier noch ein paar Impressionen und meine Gedanken um die zwei Tage herum. Viel Spaß.

Danke an cbpix/ Niederlausitz aktuell für das Foto.

 

über

27 Jahre, Freigeist, sportaffin und Student der irgendwas mit Marketing studiert hat. Passionierter Triathlet ist er auch. Auf dem Sportsfreund Blog bloggt er rund um den Triathlonkosmos, philosophiert über Trainingsstuff- und den Lifestyle. So Stay tuned.

1 Kommentar

  1. Hi Sören,

    24 Stunden Schwimmen…Du bist ja verrückt! 😀
    Herzlichen Glückwunsch zu den 19 Kilometern. Auch wenn ich kein Gefühl dafür habe, wie gut das jetzt im Vergelich zu den anderen 24h Schwimmern so ist, weiß ich doch, dass das für mich eine absolut unvorstellbare Leistung ist.

    Viele Grüße
    Jahn

Danke für Dein Feedback!

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