LIFESTYLE Trainingslager

Achtung endorphinlastig und positiv stimmend: 3 Kurzgeschichten aus Mallorca

Im letzten Blog habe ich es angeteasert, heute möchte ich dementsprechend abliefern – drei Kurzgeschichten, um noch einmal in unser Trainingslager auf Mallorca hereinzuzoomen. Oder anders gesagt: Über endorphinlastige Lebensmomente, wertvolle Begegnungen und pures Adrenalin!

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Das endorphinlastige Date…

Freitag, ein heißer Märztag dieses Jahres, mitten im Herzen Mallorcas beliebtester Pilgerstätte – zumindest wenn man Radfahrern Glauben schenken darf. Vor mir schlängelt sie sich zehn Kilometer entlang: Sa Calobra! Ein Prachtexemplar von Kehrenstraße, inmitten des Tramuntana Gebirges im Nordwesten Mallorcas. So schön, so verwinkelt, so einladend, dass ich muskelzuckend vor Freude meine an der Schuhsohle befestigten Cleats in die Pedale klicke. Mein Grinsen gleicht dem eines Honigkuchenpferds. Heute fahren wir unsere eigene Königsetappe, ganz im Stile der finalen Momente einer Tour de France. Die fünfundzwanzig Millimeter breiten Reifen bilden eine Symbiose zwischen meinem mattschwarzen Carbonrennrad und dem sauber geteerten Asphalt. Endorphine überkommen mich. Nicht nur ich, auch meine Gedanken fahren in diesen Momenten Achterbahn.

Ich bin frei und spüre ein prägnantes Gefühl: Dankbarkeit.*

(*eine Reportage zu dieser Kurzgeschichte kommt nächsten Montag)

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Im Rausch der Geschwindigkeit

Die mallorquinische Sonne strahlt uns prachtvoll entgegen. Auch wenn es bereits zu späterer Stunde ist, hat das Abendrot etwas unheimlich faszinierendes an sich. An einem Café kurz vor der Gabelung zwischen Puig Major und Sa calobra zippen wir an unseren eiskalten Cokes. Wir schweigen. Genießen den Moment. Der Radcomputer zeigt es uns an: Die Hundertergrenze an Kilometern ist fast geschafft. Cap Formentor, Kloster Lluc, Die Tanke bei Col de Sa Bataia, der Bergsee am Fuße des Puig Major…und jetzt?

Wollen wir heute mal nicht über Pollenca zurück nach Alcudia?“, fragt mich mein Cousin.

Ja, lass mal über die Abfahrt nach Caimairi und dann übers Innenland irgendwie zurück“, antworte ich schmunzelnd.

Wenige Momente später rasen wir die bewaldete Serpentinenstraße gen Caimari herunter. Dank der Scheibenbremsen bin ich den quietschenden Carbonflanken im wahrsten Wortsinn einiges voraus. Über Selva und Inca gelangen wir auf eine Art Speedway neben der Autobahn. Es geht leicht bergab, und kühlender Westwind grüßt uns von hinten. Jackpot! Mit 50 Km/h rasen wir minutenlang im Belgischen Kreisel Richtung Alcudia. Ich schreie es adrenalingetränkt laut raus „YIIIIIIIHAHHHH, IST DAS GEIL!!!“ 😀 Was für ein Happy End an diesem Tage. Das ist die Faszination Rennradfahren. Das ist Glück. Unser Glück.

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Begegnungen wie diese machen unser Leben wertvoll!

Donnerstagvormittag. Nach zwei kilometerlastigen Tagen auf dem Rennrad steppe ich gemütlich in Richtung der lokalen Schwimmhalle von Alcudia. Ich steuere direkt auf die Frau hinter dem Tresen zu. „Hola!“, lächelt sie mir entgegen, „Hola“, grinse ich zurück. Ich versuche mein Vorhaben auf Englisch durchzubringen: „Well, it looks quit crowdy over there, can I use one of the swimming lanes though?“. In einem Mix aus Englisch, Spanisch, Mimik und Gestik versucht sie mir zu erklären, dass ich warten müsse. Es ist wohl zu voll, nehme ich an. Sie wirkt verlegen. „No problem, I can wait“, signalisiere ich verständnisvoll.

Knapp 15 Minuten später (und schon leicht schwitzend wegen der hohen Luftfeuchtigkeit) winkt mich der Bademeister heran, und zeigt auf die Frau hinter dem Tresen. Wir müssen beide wieder schmunzeln. Es ist schon ulkig, wenn sich zwei oder mehr Menschen unterschiedlicher Nationalitäten begegnen, und dabei offensichtlich (fast) so hilflos miteinander kommunizieren, wie wenn Forscher auf bis dato verborgene Ureinwohner des Amazonas treffen. Wie dem auch so. Von dem Englisch-Spanisch Gemurmel von vorhin meine ich mich erinnern zu können, dass der Eintritt 2,99€ kostet. Ich reiche ihr drei Euro. Sie schaut kurz ungläubig und versucht mir dann mit drei Fingern und dem „nightynine“-Anhängsel klar zu machen, dass es nicht 2,99€ sondern 3,99€ kostet. Ich zucke innerlich zusammen. „Verdammt“, denke ich mir. Habe ich doch nur noch drei Euro dabei. Ich Depp bin mal wieder bestens vorbereitet!

Jetzt gebe ich mimik- und gestiktechnisch alles! Mit beiden Armen und dabei nach oben gerichteten, offenen Handflächen, Schulterzucken und einem entschuldigendem Grinsen versuche ich ihr zu sagen, dass ich leider nur drei Euro dabei habe. Nach kurzem Überlegen und einem lauten „Ahhhhhh“ winkt sie freundlich ab, und redet irgendetwas auf Spanisch, dass ich natürlich nicht verstehe. Ich nicke trotzdem 😀 Sie zeigt auf das Eingangstürchen zur Umkleide hinter mir. Ich realisiere, dass sie mich so durchlässt. Wow! Einfach so. Ich muss echt hilflos gewirkt haben. Aber auf jeden Fall total nett!

Und überhaupt: Hast Du mal versucht, wildfremde Leute im Alltag anzulächeln? Oft mutiert deren grimmiges Gesicht ebenfalls in ein schüchternes Zurücklächeln. Probier‘ es mal aus! Achso, die Schwimmeinheit war übrigens top! Zu meinem Glück hatte ich eine ganze Bahn für mich alleine. Und sofern ich der Hallenuhr glauben schenken darf, stimmten mich die Abgangszeiten zufrieden.

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Wie haben Dir diese drei Kurzgeschichten gefallen? Findest Du Dich irgendwo wieder? Und wirst Du das mit dem Lächeln mal ausprobieren? Schreib es uns doch mal in die Kommentare. Ich würde mich freuen!

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28 Jahre, Freigeist, sportaffin, der irgendwas mit Marketing studiert hat, um nun doch auf den journalistischen Zug aufspringen zu wollen. Passionierter Triathlet ist er auch noch. Auf dem Sportsfreund Blog bloggt Sören rund um den Triathlonkosmos, philosophiert (mit anderen) über Trainingsstuff- und Lifestyle. Das Wichtigste: Hauptsache Du hast Spaß bei dem was Du tust.

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