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Ein Triathlet umzingelt von Rennradfahrern

Foto: © Lausitzcup

Dass der „Super Sommer“ langsam auf sein Ende zu steuert, wurde mir die Tage wieder klar, als es nach der Arbeit um 21 Uhr schon dunkel war. Vorbei die geile Zeit, wo Du Dir Dein Rennrad schnappen und selbst halb 10 abends noch der untergehenden Sonne entgegen cruisen konntest. Apropos Untergangsstimmung. Zum „Team Abschied“ gesellt sich langsam aber sicher auch die Triathlonsaison. Die großen Rennen in Frankfurt, Roth & Co sind passe – viele große und kleine Geschichten geschrieben. Jetzt ist die Zeit, die Saison zu veredeln, nochmal einen geilen Wettkampf rauszuhauen. „Resteformverwertung“ wie es Gastblogger Alex auch mal meinte. Am Wochenende testete ich das bis auf’s Äußerste…

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Umzingelt von strammen Waden…

Also gut. Resteformverwertung, nun, lass uns über meine Radform sprechen. Vielversprechend war sie diese Saison. Dass ich letzteren Satz in der Vergangenheitsform formuliere zeugt nicht gerade von hundertprozentigem Selbstvertrauen. Im Mai und Juni – da war ich fit! 300er FTP? Klar! Aber Du weißt ja – es geht immer um Kontinuität. Wirklich viele, spezifische VO2Max, – Schwellen- oder Kraftausdauereinheiten gab es in den letzten Wochen nicht. Das war eher so alles nach Gefühl. Nach Lust und Laune. Aber mit dem „Warum“ will ich Dich gar nicht langweilen.

Jetzt aber: Resteformverwertung! Am Sonntag (19.08) testete ich meine Restform aber mal richtig. Beim 1. Spremberger Rundstreckenrennen startete ich über die Hauptdistanz. 78 Kilometer, aufgesplitet in 10 Runden a 7,8km, relativ flach aber mit einem richtig fiesen Achtprozenter. Das Rennen ist Teil des Lausitzcups, einer achtteiligen Rennradserie in Brandenburg und Sachsen. So richtig mit Trikots für den Führenden, Sprinter und Nachwuchsfahrer. Kurzum: prestigeträchtig!

Ausgeschrieben ist es als „Jedermannrennen“. Das hört sich immer so nach Hobbytour an. So nach „Achich fahr einfach mal spontan mit“ an. Aber Vorsicht: Hier geht es richtig zur Sache! Bestimmt 90% der Fahrer gehören zu einem Team, wodurch jedes dieser Teams locker 2-4 Fahrer an den Start bringt. Taktikspielchen inklusive! Und dann eben ich. Dieser Triathlet, dieser Sportsfreund, umzingelt von austrainierten Waden…Da heißt es: Cool bleiben und Pokerface aufsetzen! Oder lieber schnell die Brille…

Dass ich mich mit meiner FTP-Leistung hier sicherlich nicht verstecken muss, weiß ich. Aber: Das ist eben auch nicht unbedingt der limitierende Faktor bei so einem Kriterium. Hier geht es eher darum, möglichst easy die unzähligen Antritte nach den Kurven wegzustecken, Attacken mitzugehen und anschließend auf einem hohen Niveau weiterfahren zu können. Eine hohe VO2MAX kommt hier gut an!

Mein Plan war es, Spaß zu haben!Kein Stress“, dachte ich mir, „es ist nur ein Spaßevent für Dich“. Aber abgehängt, gar überrundet, willst Du auch nicht werden!!

Noch eine Attacke und Du platzt!

Startschuss! Besser gesagt: Starthupe. Es geht relativ gemächlich los. Leider schon nach 100m der erste krasse Sturz. Puh, keine schöne Sache! Gute Besserung demjenigen!

Runde 1: Absolut machbar! Keine ernsthaften Attacken. Zum ersten Mal den 8%ter hoch. 300m Vollgas, um nicht aus der Gruppe zu fliegen. Unterm Strich: Knapp 12 Minuten „Warmfahren“

Runde 2: Das Rennen geht los. Erste Attacken. Manche aus dem Feld „springen“ hinterher. Das Grundtempo geht steil hoch. Mein Motto: erstmal „verstecken“ und gute Hinterräder suchen…

Runde 4: Drei Fahrer haben sich abgesetzt. Eine andere Liga! Dahinter wir, das Hauptfeld. Ich bin meist so im Mittelfeld, auch mal weiter hinten nach einem Hügel. Dann wieder der Berg. Jetzt werde ich durchgereicht. Die Pumpe ist fast am Anschlag. 185 Schläge die Minute, viel fehlt nicht mehr zum Maximalpuls. Es klafft ein kleines Loch von ca. 4-5 Metern zwischen mir und dem Feld. „Scheiße jetzt eine knackige Attacke vorne und die sind uneinholbar weg“. Es sind die entscheidenden Momente für mich. Ich bin hart angeknockt. Zu meinem Glück lassen es die anderen nach der vierten Bergwertung ruhig angehen. Ich kämpfe mich wieder ran. Ordne mich wieder im „sicheren“ Mittelfeld ein. Puh, erstmal wieder klar kommen.

Runden 5-7 Ich ändere meine Taktik: „Generell ist das erste Drittel euer Ziel“, dieser Tipp von Stefan Leuendorff kommt mir wieder in den Sinn. Der Punkt dabei: Nach den Kurven ist der Ziehharmonikaeffekt nicht so groß. Und ich gehe noch einen Schritt weiter: Kurz vor dem 8%ter kommt eine sehr schmale Abfahrt – die ich bis in den letzten Winkel kenne 😉 So knalle ich mit ein paar Metern Abstand zum Hauptfeld da runter und gehe mit ordentlich Dampf und ein paar Metern Vorsprung in den Berg rein. 5-6 Meter die Gold wert sind! Oben angekommen bin ich wieder durchgereicht worden, aber diesmal ohne „Nahtoderfahrung“. „Yes, so passt es“ denke ich mir, zippe an der Wasserflasche und konzentriere mich auf die nächste Kurve – jede Kurve heißt hier: 100% Konzentration!

Runde 10: Eingeläutet mit einer bimmelten Goldglocke freue ich mich, dass es auf die finalen 7,8km geht. Das Hauptfeld ist etwas zersprengt. Ich bin jedoch immer noch in der ersten Verfolgergruppe. Eine Attacke hier, ein Antritt da – manche versuchen es auf den letzten Metern. Aber so richtig kommt keiner mehr weg. Das 500m Schild. Jeder „sprintet“ nochmal. Sofern man es Sprint nennen kann. Ich habe keine Chance. Natürlich nicht! Aber ein lautes „Yes“ entgleist mir dann auf der Ziellinie doch. Schon jetzt weiß ich, dass das für mich eine starke Leistung war. 11. Platz, zusammen mit dem „Hauptfeld„. Ich bin stolz auf mich!

Und das Fazit?

Nach dem Kamenzer Bregrennen war es der zweite Wettkampf diese Saison beim prestigeträchtigen Lausitzcup. Mit der Hauptverfolgergruppe über die Ziellinie zu fahren macht mich mächtig stolz. Ich hatte echt ein bisschen Schiss, dass ich schon in der ersten Runde am Berg abreißen lassen muss. Und es war ja auch sehr knapp. Aber ich habe es durchgezogen, teilweise stark gelitten (Strava sagt: mehr als 50. Mal über 400 bzw. 500 Watt und mehr), und doch irgendwie auch Spaß gehabt. Etwas komisch: So etwa ab der siebten Runde ging nicht nur meine angepasste Taktik auf. Ich merkte auch, dass anscheinend auch die anderen langsam etwas müde werden. Die Attacken war nicht mehr so knackig, ich konnte immer gut mitgehen, war nicht mehr ständig im Laktattunnel.

Kurzum: Mit einer der härtesten Wettkämpfe 2018, aber eben auch einer, auf den ich am meisten stolz bin! Das zeigt mir: Es tut gut, ab und an der Triathlonblase zu entkommen, neue Reize zuzulassen, einfach mal was anderes sehen. Werde ich definitiv 2019 weiter so machen!

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28 Jahre, Freigeist, sportaffin, der irgendwas mit Marketing studiert hat, um nun doch auf den journalistischen Zug aufspringen zu wollen. Passionierter Triathlet ist er auch noch. Auf dem Sportsfreund Blog bloggt Sören rund um den Triathlonkosmos, philosophiert (mit anderen) über Trainingsstuff- und Lifestyle. Das Wichtigste: Hauptsache Du hast Spaß bei dem was Du tust.

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